Land & Leute

Fahne der Shetland-Inseln.
Fahne der Shetland-Inseln.

Ein paar Hinweise zu Land & Leute: Auf den Shetland-Inseln haben heute mehr als 22.000 Menschen ihren so genannten Lebensmittelpunkt. Die Hälfte wohnt in der Region Lerwick (zirka 11.000), der Rest verteilt sich über die verschiedenen Inseln. Viele der Einheimischen haben schottische oder norwegische Wurzeln. Etwa ein Drittel der auf den Shetland-Inseln lebenden Menschen ist aber außerhalb des Archipels zur Welt gekommen. So finden sich heute zahlreiche Nationalitäten unter den Einwohnern.

Auch wenn sie vielleicht schon seit mehreren Generationen auf den Shetlands leben, so übertrifft die Zahl der Zuwanderer gerade in den letzten Jahren die der „Auswanderer“. Ursache dürfte nicht zuletzt der vergleichsweise gute Lebensstandard sein. Jahrzehnte lang war auf den Shetlands allerdings ein RückgangderBevölkerung festzustellen. Die Einwohnerzahl fiel Mitte der 1960er-Jahre auf 17.000 Menschen. Nachdem Anfang der 1970er-Jahre allerdings der Öl-Boom einsetzte, kamen binnen zehn Jahren rund 30 Prozent Zuwanderer hinzu. Doch genauso schnell, wie das Öl die Menschen auf die Shetlands „spülte“, verließen sie mit Ende der Aufbauarbeiten Anfang der 1980er-Jahre auch wieder das Archipel. Hinzu kamen Probleme mit dem Flughafen Sumburgh.

In der zweiten Hälfte der 1980er-Jahre und Anfang der 1990er-Jahre pendelte sich die Einwohnerzahl auf rund 22.000 Menschen ein. Gleichwohl unternimmt das Shetland Islands Council unermüdlich Anstrengungen, potenzielle Zuwanderer von den Vorzügen eines Lebens auf den Inseln zu überzeugen.

Obwohl die Shetlands mittlerweile seit mehr als 500 Jahren ein Teil von Schottland sind, ist der Bezug zu Skandinavien – und hier vor allem Norwegen – nach wie vor spürbar. Das werden auch Besucher der Inselgruppe sofort bemerken.

Das Denkmal für den Shetland Bus in Scalloway.
Das Denkmal für den Shetland Bus in Scalloway.

In der jüngeren Geschichte machte sich dies während des Zweiten Weltkriegs bemerkbar: Aufgrund ihrer überaus günstigen geografischen Lage waren die Shetlands während des Kriegs die Basis für den norwegischen Widerstand gegen die deutschen Besatzer. Eine ganze Flotte von norwegischen Fischkuttern kreuzte zwischen der Inselgruppe und dem norwegischen Festland hin und her, um Waffen sowie Munition in die von den deutschen Nationalsozialisten besetzte Heimat zu bringen. Auf dem Rückweg nutzten Flüchtlinge diesen Weg, um ihr Land zu verlassen. Als „Shetland Bus“ ging diese über Jahre aufrechterhaltene Verbindung in die Geschichte ein. Vor allem in Scalloway wird heute noch an die Geschichte des „Shetland Bus“ erinnert.

Auch heute noch kommen die Norweger gerne auf den Shetland-Inseln. Ihre Segelyachten sind regelmäßig in den Häfen der Shetlands anzutreffen. Ein Höhepunkt auf beiden Seiten der Nordsee bildet die jährliche Segelregatta zwischen Bergen und Lerwick.

Im Personenverkehr hat die saisonale Flugverbindung zwischen Bergen und dem Sumburgh Airport stark an emotionaler Bedeutung gewonnen, nachdem die regelmäßige Fährverbindung eingestellt wurde. Flybe bedient die Route im Sommer mehrmals in der Woche.

Fast selbstverständlich ist es da, dass Lerwick mit Måløy auch eine Partnerstadt in Norwegen hat. Und wenn im östlichen Nachbarland Nationalfeiertag ist, flattert nicht nur am Rathaus in Lerwick, sondern auch über einer ganzen Reihe von Privathäusern auf den Shetland-Inseln die norwegische Flagge.

Die Verbundenheit zu Norwegen geht so weit, dass im Jahre 2007, als das neue Shetland Museum & Archives eröffnet wurde, neben Prince Charles auch die norwegische Königin Sonja anwesend war. Und als im Juli 2011 Norwegen von zwei Terrorakten erschüttert wurde, waren die Shetlander zumindest in Gedanken und Gebeten bei ihren „Verwandten“, den Norwegern.

Schlussendlich macht auch die Flagge der Shetlands deutlich, wie eng sich die Insulaner sowohl mit Skandinavien als auch Schottland verbunden fühlen. Führen die Schotten ein weißes Andreaskreuz auf blauem Grund als Landesfahne, wählten die Shetlander zwar dieselbe Farbkombination, aber in der Form das für Skandinavien typische „liegende“ Kreuz. Die Flagge wurde 1969 entworfen und 2005 offiziell von den schottischen Behörden anerkannt. Sie ist heute im Alltag weit verbreitet und taucht zum Beispiel auch in den Logos einheimischer Unternehmen immer wieder auf. Der 21. Juni gilt traditionell als so genannter „Shetland Flag Day“, an dem alle Inseln in blau-weiß beflaggt werden.