Shetland-Inseln: Was gibt’s zu sehen?

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Das Rathaus von Lerwick. Foto: Lars Schmitz-Eggen

Auf die Frage, was man auf den Shetland-Inseln unbedingt sehen sollte, gibt es nicht die eine Antwort. Abgesehen davon, dass es sehr stark von den persönlichen Interessen abhängt, spielt auch die zur Verfügung stehende Zeit eine entscheidende Rolle: Befindet man sich auf einer Kreuzfahrt und legt in Lerwick nur einen Stopp für wenige Stunden ein? Unternimmt man die große Schottland-Rundreise und möchte auch die Shetland-Inseln für drei bis vier Tage besuchen? Oder will man sich ganz auf die Shetland-Inseln konzentrieren und hier zum Beispiel zwei Wochen bleiben?

Sehenswürdigkeiten für ein bis zwei Tage

Wer nur ein bis zwei Tage Zeit hat, um die Shetland-Inseln kennenzulernen, sollte als Standort die Hauptstadt Lerwick wählen und von hieraus Exkursionen unternehmen. Abgesehen davon, dass es in Lerwick relativ viele Hotels und B&B’s gibt, ist die Inselhauptstadt auch der Dreh- und Angelpunkt für den regionalen Busverkehr.

In Lerwick selbst bieten sich unter anderem folgende Sehenswürdigkeiten an:

  • Shetland Museum & Archives,
  • Rathaus,
  • Fort Charlotte,
  • Lodberries,
  • Clickimin Broch und
  • Up-Helly Aa-Ausstellung.

Die Ziele in Lerwick sind zum Beispiel ideal für Reisende, die nur einen Tag vor Ort sind oder einen Regentag gestalten möchten. Aufgrund der kurzen Wege lassen sich nahezu alle Ziele bequem zu Fuß erreichen.

Darüber hinaus kann man von Lerwick aus sehr gut auch das südliche Mainland erkunden. Sehenswürdigkeiten sind hier zum Beispiel:

  • Sumburgh Head,
  • Jarlshof,
  • Old Scatness,
  • Croft House Museum,
  • St. Ninian’s Isle und
  • Island of Mousa.

Abgesehen von St. Ninian’s Isle und Mousa liegen alle diese Sehenswürdigkeiten unmittelbar an der A 970. Sie verbindet Lerwick wie eine Art Rückgrat mit dem Süden des Mainlands, wo unter anderem auch der Flughafen Sumburgh liegt. Dies ist nicht zuletzt der Grund, weshalb auf dieser Strecke mehrmals täglich ein Linienbus verkehrt. Bei einigen Abfahrten unternimmt dieser auch Abstecher nach Bigton bzw. Sandwick, sodass die beiden genannten Inseln ebenfalls mit öffentlichen Verkehrsmitteln erreicht werden können.

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Ziele für eine Woche

Wer bis zu einer Woche auf den Shetland-Inseln verweilt, sollte zusätzlich folgende Plätze besuchen:

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Die Ruine von Scalloway Castle. Foto: Lars Schmitz-Eggen

Die Doppelinsel Bressay/Noss liegt direkt vis-à-vis von Lerwick und kann bequem mit der Fähre erreicht werden, die hinter dem „Albert Building“ ablegt. Noss gilt als eines der größten Vogelschutz- und Brutgebiete auf den Shetland-Inseln. Im Sommer lassen sich hier unter anderem Papageitaucher (Puffins), Basstölper und Tordalke, aber auch Raubmöwen beobachten. Eshaness ist wegen seiner imposanten Steilküste in jedem Fall eine Sehenswürdigkeit. Die abgelegene Halbinsel Lunna Ness war einst Heimat des „Shetland Bus“, der norwegischen Widerstandsbewegung gegen Deutschland im Zweiten Weltkrieg. Scalloway – ehemals Hauptstadt der Shetland-Inseln – wartet heute unter anderem mit einer Schlossruine und einem sehr interessanten Museum auf.

Aufenthalt von zwei Wochen

Besucher, die zwei oder mehr Wochen vor Ort sind, können überlegen, ihr Domizil zwischendurch zu wechseln. Dadurch lassen sich zum Beispiel die nördlichen Inseln Yell, Unst und Fetlar intensiver erkunden. Die Transferzeit von/nach Lerwick entfällt.

Fethaland
Point of Fethaland. Foto: Lars Schmitz-Eggen

Abgesehen von den drei Nordinseln lohnen sich auch Ausflüge nach Whalsay oder nach Foula sowie Fair Isle. Während Whalsay mit der Fähre mehrmals täglich zu erreichen ist, sich also für einen Tagesausflug anbietet, erfordern letztgenannte etwas Vorbereitung. Fair Isle und Foula lassen sich per Schiff oder Flugzeug ansteuern. Mit etwas Glück sind mit dem Flugzeug sogar dorthin Tagesausflüge möglich. In jedem Fall sollten man die Flüge aber frühzeitig buchen, da nur wenige Plätze zur Verfügung stehen.

Shetland Bus: Der gefährliche Weg in die Freiheit

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Denkmal in Scalloway, das an den „Shetland Bus“ erinnert. Foto: Lars Schmitz-Eggen

Shetland Bus wurde während des Zweiten Weltkriegs jene Route zwischen der norwegischen Westküste und den Shetland-Inseln genannt, die für ungefähr 3.500 Männer, Frauen und Kinder den Weg in die Freiheit bedeutete. Es war für sie die schnellste Möglichkeit, sich nach dem Überfall der deutschen Wehrmacht auf Norwegen am 9. April 1940 in Sicherheit zu bringen. Shetland Bus: Der gefährliche Weg in die Freiheit weiterlesen

Up Helly Aa: Wenn die Wikinger Fasching feiern

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Up Helly Aa-Prozession in Lerwick. Foto: VisitScotland

Up Helly Aa ist die wohl bekannteste Veranstaltung im Zusammenhang mit den Shetland-Inseln. Sie ist ein noch relativ junges Fest. Es gibt zwar Hinweise, dass die Menschen in den Regionen außerhalb Lerwicks seit eh und je am 24. Tag nach Weihnachten unter dem Namen „Antonmas“ oder „Up Helly Night“ ein Fest feierten. Ob aber die Bevölkerung Lerwicks ebenfalls diese Tradition pflegte, ist nicht überliefert.

Zumindest was Lerwick betrifft, deutet einiges darauf hin, dass Up Helly Aa kurz nach den Napoleonischen Kriegen erstmals als weihnachtliches Volksfest die Massen mobilisierte. Damals kehrten die Soldaten und Matrosen aus dem Krieg heim und brachten neben ziemlich rauen Sitten auch eine unverkennbare Neigung für Schusswaffen mit nach Hause. Das passte freilich nicht zur besinnlichen, weihnachtlichen Stimmung.

Up Helly Aa im Jahre 1824

So notierte am Weihnachtsabend des Jahres 1824 ein Missionar der Methodisten, der als Gast in Lerwick weilte, in seinem Tagebuch, was er draußen erlebte. Demnach schien die ganze Stadt in Aufruhr gewesen zu sein. Von Mitternacht bis spät in die Nacht wäre die Luft erfüllt gewesen von Hornsignalen, Trommeln, dem Geschepper alter Blechkessel, abgefeuerten Schusswaffen, Rufen und Heulen. So sei es die ganze Nacht über gewesen, und die Straßen wären bei dem Fest so voller Menschen, wie er es in England nie erlebt hätte.

Ähnlich wie die Stadt Lerwick und ihre Bevölkerungszahl wuchsen, gewann auch Up Helly Aa im Laufe der Zeit an Größe. Die Feierlichkeiten wurden immer ausgelassener. Um 1840 führte man beispielsweise den Brauch ein, Teerfässer anzuzünden. In den engen Straßen der Innenstadt bedeutete diese Sitte nicht nur Freude, sondern für die Anwohner auch eine Gefahr und eine ziemliche Belästigung. Ärger war also an der Tagesordnung. Die Stadtverwaltung im Rathaus sah sich gezwungen, Polizisten abzustellen, um das bunte Treiben zu kontrollieren und in Grenzen zu halten. Diese Maßnahme zeigte aber nur begrenzten Erfolg. Anfang der 1870er-Jahre wurden daher die brennenden Teerfässer verboten.

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Damals gab es einige junge Männer in der Stadt, die es an der Zeit fanden, Up Helly Aa eine neue, eher kulturelle Richtung zu geben. Eine der ersten Maßnahmen war es, Up Helly Aa statt an Weihnachten am letzten Dienstag im Januar zu feiern. Damit war sichergestellt, dass an Weihnachten angemessene Ruhe in der Stadt herrschte.

Sodann wurde die Sitte eingeführt, sich als Wikinger zu verkleiden, „guizing“ genannt. Auch wenn die Wikinger raue Typen gewesen sein sollen, zündeten die neuen Wikinger keine Teerfässer mehr an, sondern zogen als geordnete Prozession mit Fackeln durch die Straßen der Stadt.

Es dauerte einige Jahre, bis die neuen Sitten sich etabliert hatten. Doch sie wurden angenommen und durch neue Traditionen erweitert. So tauchte in den späten 1880er-Jahren erstmals ein Langschiff – das typische Schiff der Wikinger – im Zusammenhang mit Up Helly Aa auf. Es wird bis heute „Galley“ (Gallere) genannt.

"UP HELLY AA", LERWICK, SHETLAND.
„Guizer Jarl“, der Häuptling der Wikinger, an Up Helly Aa in Lerwick. Foto: VisitScotland

1906 brachte man zudem die Tradition ein, einen „Guizer Jarl“ als Häuptling der Wikinger zu bestimmen. Es handelt sich dabei um einen vollbärtigen Mann, der an seinem mit Rabenflügel verzierten Helm zu erkennen ist. In Lerwick schlüpft stets ein Mann in die Rolle des Guizer Jarl. Andernorts auf den Shetland-Inseln ist das mittlerweile anders. 2015 war Lesley Simpson aus Bigton der erste weibliche Guizer Jarl.

Er oder sie trägt eine langstielige Axt und einen silbernen, runden Schild, auf dem ein Rabe dargestellt ist. Bekleidet ist die Figur mit einer Art silbernem Wams, Pelzcape, langem Umhang und breitem Gürtel. Guizer Jarl kann nur werden, wer mehr als 15 Jahre im Organisationskomitee Mitglied ist. Seit Ende des Ersten Weltkriegs wird der Häuptling von einer „Guizer Jarl Squad“ (Garde) eskortiert, die den Häuptling auch während des Fackellaufs begleitet und die Galley zieht.

Bis zum Zweiten Weltkrieg war Up Helly Aa überwiegend ein Fest der jungen, männlichen Arbeiterklasse. Während der Wirtschaftskrise zwischen den Weltkriegen pflegte man die Tradition zwar ebenfalls, aber nur auf kleinem, bescheidenem Niveau. Im Winter 1931/1932 gab es sogar Bestrebungen, Up Helly Aa abzusagen. Die wirtschaftliche Lage in der Stadt gestattete ein derartiges Fest eigentlich nicht. Aber der Widerstand war zu groß; ganz auf Up Helly Aa wollten die Menschen trotz ihrer Not denn doch nicht verzichten.

1949 wurde das Fest erstmals nach Kriegsende wieder in vollem Umfang durchgeführt. Vieles soll sich seitdem verändert haben, Wesentliches ist aber geblieben. Up Helly Aa wurde unter anderem durch Übertragungen der BBC weit über die Shetland-Inseln hinaus bekannt. Dies führte dazu, dass es immer mehr Teilnehmer gibt.

Mittlerweile nehmen diverse Gruppen an der Prozession teil, alle in zum Teil sehr phantasievollen Kostümen und mit Fackeln „bewaffnet“. Sie begleiten die „Galley“ in einer Zweierreihe. Auf dieser thront Guizer Jarl. Auf ein Zeichen hin verlässt der Ober-Wikinger sein Schiff, und alle Teilnehmer werfen ihre Fackeln in das nun leere Wikingerschiff, sodass es in einem Meer aus Funken und Flammen verbrennt.

Up Helly Aa in Lerwick

Heute finden am Up Helly Aa-Tag in Lerwick zwei Prozessionen statt: eine am Vormittag, eine am Nachmittag. Die frühe Parade startet gegen 10.00 Uhr in der Nähe des Toll Clock Shopping Centres. Guizer Jarl und seine Garde marschieren über die Esplanade und durch Fort Charlotte, begleitet von der Lerwick Brass Band, zum Rathaus. Die Abend-Prozession startet gegen 19.00 Uhr in der Straße Lower Hillhead und führt unterhalb des Rathauses zum King George V Playing Field. Hier folgt der beschriebene Showdown, während die Menge „The Norseman’s Home“ singt. Den Schlusspunkt bildet ein Feuerwerk.

Jedes Jahr verfolgen bis zu 5.000 Besucher das Spektakel live in der Hauptstadt. Jedermann ist herzlich willkommen, muss sich aber an einige Spielregeln halten. So ist es nicht möglich, selbst an der Prozession teilzunehmen. Dies ist nur Personen gestattet, die seit mindestens fünf Jahren auf den Shetland-Inseln leben. Alle anderen sind eingeladen, der Prozession zuzuschauen und im Anschluss an einer der vielen Partys in den diversen Lokalen teilzunehmen – vorausgesetzt, man ergattert eine Eintrittskarte.

Wer nicht die Gelegenheit hat, Up Helly Aa in Lerwick mitzuerleben, kann sich das Spektakel auch im Internet anschauen. „60 North TV“ hat angekündigt, das Ereignis am Dienstag, 26. Januar 2016, auf Channel 2 live zu übertragen. Einen Eindruck von dem Treiben bekommt man auch auf YouTube. Darüber hinaus pflegt das Organisationskomitee die offizielle, allumfassende Up Helly Aa-Webseite zu dem Event. In der St. Sunniva Street findet sich zudem eine Ausstellung zum Thema, die ganzjährig geöffnet ist.

Abgesehen von Lerwick finden ähnliche „Feuer-Feste“ während des gesamten Winters in verschiedenen Regionen der Shetland-Inseln statt:

  • Scalloway Fire Festival: 2. Freitag im Januar
  • Lerwick Junior Up Helly Aa: letzter Dienstag im Januar; parallel zum Up Helly Aa für „Erwachsene“
  • Nesting and Girlsta Up Helly Aa: 10 Tage nach Lerwick
  • Uyeasound Up Helly Aa: 2. Freitag im Februar
  • Northmavine Up Helly Aa: 3. Freitag im Februar
  • Bressay Up Helly Aa: letzter Freitag im Februar
  • Cullivoe Up Helly Aa: letzter Freitag im Februar
  • Norwick Up Helly Aa: 1. Samstag im März
  • South Mainland Up Helly Aa: 2. Freitag im März
  • Delting Up Helly Aa: 3. Freitag im März

(10.01.2016)